Terminologie - Wozu?

Zunehmende Spezialisierungen auf allen Gebieten des Wissens, hohe Innovationsraten in vielen Fachgebieten führen zu einem Bedarf an immer stärker differenzierten Fachwortschätzen (Terminologien). Nicht nur zwischen Fachleuten und Laien, selbst zwischen Experten ein und derselben Disziplin wird die Verständigung immer schwieriger. Dies gilt ganz besonders bei der Kommunikation über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.

Das verschärfte Produkthaftungsrecht macht eine unmißverständliche produktbezogene Kommunikation noch notwendiger. Ungebundene sprachliche Kreativität – in anderen Bereichen, z. B. der Unterhaltungsliteratur, durchaus erwünscht – ist hier fehl am Platze. Sie verursacht unnötige Kosten. Fachsprachliche Kommunikation setzt Genauigkeit und Eindeutigkeit voraus. Und hierzu bedarf es systematischer, begrifflich orientierter und koordinierter Terminologiearbeit.

Wir wissen aus der Gemeinsprache, dass viele häufig gebrauchte Wörter mehrere Bedeutungen haben (Homonymie). Aber auch Fachwörter (Termini) sind keineswegs immer eindeutig. So hat Lager als Fachwort eine ganze Reihe von unterschiedlichen Bedeutungen: im Maschinenbau, im Bauwesen, in der Geologie, in der Logistik, in der Betriebswirtschaft usw.

Eine weitere Ursache für Mißverständnisse und fehlerhafte Kommunikation ist die Verwendung synonymer Benennungen. So ist es für denjenigen, der mit der Lichtwellenleitertechnik nicht vertraut ist, keineswegs selbstverständlich, dass Lichtwellenleiter, Lichtleiter und Glasfaser denselben Begriff verkörpern. Synonyme entstehen häufig dadurch, dass an verschiedenen Orten Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu vergleichbaren Themen geleistet wird. Eine Verständigungsnormung durch Normungsgremien bietet hier Abhilfe. Allerdings vergeht häufig viel Zeit, bis die dort festgelegten eindeutigen Begriffe Eingang in den fachlichen Sprachgebrauch finden, ganz abgesehen davon, dass nicht alle Fachwörter überhaupt genormt werden können. Hier ist es nun im Sinne der fachlichen Verständigung sehr wichtig, möglichst frühzeitig die Bedeutung von Fachwörtern zu klären, die Ergebnisse festzuhalten und diese den potentiellen Kommunikationspartnern zugänglich zu machen.

Terminologie bezweckt Optimierung der betrieblichen Kommunikation

Dies läßt sich durch den Aufbau einer (zentralen) Koordinierungsinstitution für alle terminologischen Aktivitäten des Unternehmens erreichen. Für ihre Realisierung stehen vielfältige technische Lösungen zur Verfügung, wie Terminologie-Datenbanken und Terminologieverwaltungsysteme auf kleinen, mittleren und großen DV-Systemen, seien es externe oder eigenverfügbare.

Eine solche Koordinierungsstelle dient gewissermaßen als sprachregelnde Drehscheibe für die vielfältigen Kommunikationsprozesse des Unternehmens. Sie beseitigt und verhindert Kommunikationsverzerrungen, die sich aus terminologischen Mehrdeutigkeiten ergeben. Sie schafft die Voraussetzung für eindeutige Kommunikation

  • zwischen Forschung und Entwicklung, Fertigung und Marketing
  • zwischen dem Unternehmen, seinen Kooperationspartnern und Zulieferern
  • zwischen dem Unternehmen, seinen Märkten und seinen Kunden

um nur einige wichtige Bestandteile zu nennen.
Sie schafft damit wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg des Unternehmens und trägt dazu bei, sein wirtschaftliches Ergebnis zu verbessern. Sie ist die Grundlage für eine kundenfreundliche, kundenorientierte Sprache.

Terminologiearbeit bezweckt Förderung des Technologietransfers

Schließlich spielt die Terminologie auch eine wichtige Rolle im Technologietransfer. Hier geht es nicht nur darum, Sprach- und Kulturgrenzen und ein Gefälle im wissenschaftlich-technischen Entwicklungsstand zu überwinden, sondern oft verfügt die Sprache des Ziellandes auch noch nicht über die erforderlichen fachsprachlichen Ausdrucksmittel. In diesem Falle geht es darum, systematisch Terminologien aufzubauen.

Der Aufwand für systematische Terminologiearbeit ist hoch. Doch mangelhafte Kommunikation und daraus resultierende Fehlentscheidungen können zu weit höheren Kosten und zu kaum quantifizierbaren Verlusten führen. Eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Terminologiearbeit muß unternehmerisch betrachtet werden und berücksichtigen, dass hier nur einmal Kosten anfallen, während terminologische Unklarheiten, die nicht bereinigt werden, immer wieder aufs neue zu Mißverständnissen und damit zu kostenträchtigen Fehlern führen können. Gleichermaßen muß eine Kosten-Nutzen-Analyse berücksichtigen, dass systematische Terminologiearbeit die ungeregelte Terminologiearbeit - die ohnehin geleistet, aber kostenmäßig nicht erfaßt wird - ersetzt oder in die Harmonisierung einbezieht.

Ein gut recherchierter Terminologiebestand in der eigenen Sprache bietet eine gute Grundlage für den Aufbau eines mehrsprachigen Bestandes. So läßt sich das in den Fachabteilungen vorhandene Fachwissen mit dem Fach- und Sprachwissen von Übersetzern, Terminologen und Technischen Redakteuren zusammenführen. Damit sind dann auch die besten Voraussetzungen für die mehrsprachige Kommunikation des Unternehmens geschaffen.

Der systematische Vergleich von Terminologien in zwei Sprachen deckt begriffliche Überschneidungen und Überlagerungen zwischen den Sprachen auf, die bei der Übersetzung unbedingt berücksichtigt werden müssen. Zwei Beispiele dazu: Die deutschsprachigen Begriffe Querkeil und Längskeil haben den gemeinsamen Oberbegriff Keil; dagegen gibt es für das englische cutter (Querkeil) und key (Längskeil) keinen entsprechenden Oberbegriff. Es wäre also nicht korrekt, Keil mit cutter zu übersetzen. Das englische informatics und das deutsche Informatik weisen zwar gemeinsame Begriffsmerkmale auf, sind jedoch nicht gleichbedeutend. Dem deutschen Informatik entspricht vielmehr das englische computer science, während informatics im Deutschen mit Informationswissenschaft wiedergegeben wird.

Kooperation ist entscheidend für erfolgreiche Terminologiearbeit

Terminologie ist untrennbar mit der Begriffsstruktur des betreffenden Fachgebiets verbunden. Daher kann Terminologiearbeit nur im engen Zusammenwirken zwischen Sprachexperten und Fachleuten des betreffenden Fachgebiets gelingen. So sollten in einem Betrieb bei der Entwicklung neuer Produkte oder Verfahren neben den verschiedenen Fachleuten der Planungs-, Produktions- und Verkaufsabteilungen frühzeitig Sprachfachleute wie Terminologen, Technische Redakteure und Übersetzer in die Planung einbezogen werden, damit die produktbezogene Dokumentation von vornherein allen Erfordernissen entspricht. In einigen Konzernen ist das bereits verwirklicht.

Hierbei sollten rechtzeitig neben fachlichen auch terminologische Informationen verarbeitet werden, damit Doppelentwicklungen vermieden und bereits festgelegte Benennungen in einer oder mehreren Sprachen genutzt werden können. Der Aufwand des einzelnen läßt sich auch dadurch reduzieren, dass er mit anderen Institutionen (z. B. Fachverbänden) zusammenarbeitet und dass er bereits existierende Terminologiebestände im In- und Ausland nutzt.

Wichtig ist, dass die Weichen rechtzeitig gestellt werden. Wie eingangs an Beispielen gezeigt, scheitern nicht selten Projekte, weil die beteiligten Partner mit den verwendeten Termini unterschiedliche Inhalte verbinden. Dies läßt sich durch planmäßige Terminologiearbeit vermeiden.

Quelle: DTT